Das Franz-Strauß-Projekt: Vorschau

in Zusammenarbeit mit dem Markt Parkstein und dem Heimatverein Parkstein

Franz Strauss: Ein unvergessener Sohn Parksteins

Franz Strauss wurde am 26. Feb. 1822 in Parkstein i. d. Opf. als Sohn des Gendarmen Johann Urban Strauss und Maria Anna Kunigunde Walter geboren. Sein Vater war Gerichtsdieners-Knecht, seine Mutter eine einfache Wäscherin und Tochter eines Türmers. Nachdem sein Vater die Familie verließ musste die Mutter die Kinder zu ihren Brüdern nach Nabburg i. d. Opf. weggeben. Jedoch auch in der Zeit, da er noch in Parkstein lebte, hatte er Kontakt zu seiner musikalischen Verwandtschaft. Seine musikalische Karriere begann wohl im zarten Alter von sieben Jahren, als er bei einer Hochzeit Violine spielen durfte.

Franz Strauss wuchs danach bei seinem Onkel, dem Musikanten und Türmer Johann Georg Walter in Nabburg auf. Bei ihm und bei seinem anderen Onkel Franz Michael Walter bekam er seine musikalische Ausbildung. Schon als kleiner Junge musste er in Gaststätten und bei Hochzeiten auftreten und wurde so schon früh mit der Härte des Musikerlebens vertraut gemacht. Dabei lernte er bei seinen Onkeln Gitarre, Klarinette, Trompete, Horn und Bratsche spielen.

Die Musiker der Walter-Familie hatten in der Oberpfalz einen hervorragenden Ruf. So ist es vielleicht kein Zufall, dass der Schwager des Königs, Herzog Max in Bayern, der ein begeisterter Volksmusikant und Zitherspieler war, auf sie aufmerksam wurde und die Oberpfälzer Musiker als Begleitmusiker zu seinen allabentlichen ‚Hoagartn‘ in sein Sommerschloss in Possenhofen kommen ließ. Der 15-Jährige Franz Strauss war als Gitarrist mit dabei. Der nächste große Schritt in Strauss‘ musikalischer Karriere war 1847 der Eintritt in das Hofopernorchester des Bayerischen Königs zehn Jahre später, zuerst als Eleve, bald darauf schon als Solo-Hornist im Orchester. Strauss lernte das Horn größtenteils autodidaktisch. Von seinen Kollegen wurde er verehrt. Er war ein geschätzer Musiker. In diesem Hoforchester war Strauss 42 Jahre lang tätig.

1851 heiratete er Maria Seiff, Tochter des Musikmeisters beim 1. bayerischen Artillerie-Regiment. Als er 32 Jahre alt war, starben seine erste Frau und seine zwei Kinder, darunter ein erst10 Monate alter Sohn an der Cholera im Jahre 1854. So war Strauss im Alter von 32 Jahren schon Witwer. Obwohl dies eine tragische Zeit in seinem Leben war, war dies auch eine sehr produktive Zeit, in der er auch begann zu komponieren. Erst zehn Jahre später, im Jahr 1863 heiratete Strauss erneut, und zwar Josephine Pschorr, die Tochter des „Bierbarons“ Georg Pschorr. 1864 wurde ihr weltberühmter Sohn Richard geboren. Darüber hinaus hatten sie noch eine Tochter Berta Johanna.

Im Hause Strauss gab es zu dieser Zeit eine reichhaltige Kultur der Hausmusik. Es wurde oft und gerne musiziert. Eine wichtige Rolle bei den Hausmusikabenden spielte die talentierte Amateur-Sängerin Johanna Pschorr, Ehefrau von Franz Strauss‘ Schwager Georg Pschorr. In diese Zeit ist wohl die einzige Liedvertonung von Franz Strauss, die uns erhalten ist, einzuordnen. Vermutlich zwischen 1860 und 1870 entstand das ‚Ghasel‘ ein Liebeslied für Singstimme und Klavier, nach einem Text des österreichischen lyrischen Dichters Nikolaus Lenau. Vor dem Jahr 1858 kann es nicht entstanden sein, da der Band der Lenau-Dichtungen, der das ‚Ghasel‘ enthält erst 1858 erschein. Dieses Werk ist uns nur als handschriftliches Manuskript erhalten und führte weit über 100 Jahre lang einen Dornröschenschlaf im Privatbesitz der Familie Strauss. Es wurde nie irgendwo öffentlich aufgeführt. Schließlich gelangte es in den Besitz der Musikwissenschaftlerin Frau Dr. Roswitha Schlötterer, als Dankesgabe der Strauss-Familie für ihre Archivarbeiten der Strauss-Werke. Ihr Ehemann, Dr. Reinhard Schlötterer pflegt das literarische und musikalische Erbe seiner 2013 verstorbenen Frau weiter und ist sich sicher: Franz Strauss hat dieses Liebeslied für Frau Johanna Pschorr komponiert, die regelmäßig bei den zahlreichen Hausmusikabenden mitwirkte. Dort ist es wohl auch von ihr gesungen worden.

Vor ihrem Tod vermachte Frau Dr. Schlötterer dieses Manuskript der Gemeinde Parkstein, die es jetzt im Parksteiner Vulkanmuseum zur Besichtigung ausstellt. Im Rahmen eines Festaktes im Parksteiner Rathaussaal huldigte Parkstein anlässlich des 110. Todestages seinem berühmten Komponisten am 16. Mai 2015 einen ganzen Abend unter dem Motto: ‚Ein Abend für Franz Strauss‘. Der Abend wurde vom Heimatverein Parkstein unter der Leitung von Martin Reiß, der Museumsleiterin Susanne Moldaschl, der ansässigen Musikschule Kuhl und Alfons Steiner, dem Leiter des Parksteiner Blaskapelle organisiert. Die Welturaufführung des mit ‚Ghasel‘ titulierten Werkes gestalteten Karl-Heinz Kuhl und die aus Parkstein stammende Studentin Annika Krämer.

Sowohl der Titel ‚Ghasel‘ als auch der Stil des Liedes sind für den eher volkstümlichen Komponisten Franz Strauss ungewöhnlich. Das Wort Ghasel stammt ursprünglich aus dem Arabischen und bedeutet sinngemäß ‚Liebesworte‘. Manchmal wird es jedoch auch mit der Bezeichnung ‚Gespinst‘ übersetzt.

Ghasel bezeichnet auch eine Gedichtform aus der arabischen Welt, die auf ein besonderes Reimschema verweist, bei der jede gerade Gedichtzeile den gleichen Reim wie die erste Zeile besitzt. Schon die Vortragsbezeichnung ‚Feurig‘ lässt erahnen, dass es sich um ein sehr beschwingtes Lied im schnellen Achtel-Rhythmus handelt. Es steht im eher seltenen 9/8-Takt, der einen wogenden Rhythmus ergibt.

Buchinhalt: „Ghasel“, Hornkonzert op. 8, „Harbni Hoch“ op. 9, „Introduktion, Thema und Variationen“ op. 13, Nocturno op. 7
Transkriptionen, Bearbeitungen und Notensatz wurden erstellt von Karl-Heinz Kuhl.

„Du schöne Stunde warst mir hold, so hold, wie keine noch,

ich seh‘ dein Angesicht erglüh‘n im Rosenscheine noch,

so sah den Engel Gottes einst mit Wangen freudenrot im Paradiese

lächelnd nah‘n der Mensch, der reine noch.

Du kamst mit ihr und flohst mit ihr, und seit ich euch verlor,

versehnt ich manchen trüben Tag in jenem Haine noch,

und fragte klagend mein Geschick: »Bewahrst in deinem Schatz so holde

Stunde du für mich nicht eine, eine noch? Eine noch?

Dort mocht ich lauschen spät und früh: wohl flüsterts im Gezweig, doch

immer schweigt noch mein Geschick – ich lausch und weine noch,

ich lausch und weine noch, ich lausch, ich lausch und weine noch.“

 

Wir werden wohl nie erfahren, was den ‚gestandenen‘, eher von einem konservativen Musikgeschmack geprägten Franz Strauss bewogen hat, sich an die Liedvertonung eines Liebesliedes zu wagen, zumal er sich ja, nach allem was wir wissen, mehr der Marschmusik und der Komposition von Hornkonzerten widmete.

Im Rahmen dieses Konzertes waren weitere Stücke, auch von seinem weltbekannten Sohn Richard Strauss, sowie von den Zeitgenossen Max Reger, Johannes Brahms und Robert Schumann zu hören. Die Solisten des Abends waren Karl-Heinz Kuhl, Annika und Antonia Krämer, Laura Schieder (alle Parkstein), Thomas Kaes (Weiden) und ein Hornquartett unter der Leitung von Lothar Dietl (Regensburg).

Bei diesem Strauss-Abend hielt der Musikwissenschaftler und Strauss-Kenner Dr. Reinhard Schlötterer einen spontanen Vortrag, in dem er auch die Vater-Sohn Beziehung von Franz zu seinem weltberühmten Sohn Richard beleuchtete und dabei auf die wichtige Rolle der musikalischen Erziehung Richards durch seinen Vater hinwies: Eine Erziehung, die profitierte von der überaus reichhaltigen Hausmusik im Hause Strauss, welche dem jungen Richard außerdem eine frühe Einbindung in die musikalische Praxis bot. Er war auch von Anfang an bei Aufführungen des Opernorchesters dabei. Er durfte die Musiker im ‚Stimmzimmer‘ belauschen, was ihn mit allen Raffinessen der verschiedenen Musikinstrumente vertraut machte. Richard Strauss wurde so schon als Kleinkind an die Orchestermusik herangeführt. Im Jahr 1905 (dem Jahr in dem Franz Strauss starb) schrieb Richard Strauss in Gedenken an seinen Vater: „Ohne die Geheimnisse des Stimmzimmers hätte ich niemals in solcher Weise mit dem Orchester arbeiten können“. Fazit: Der gebürtiger Parksteiner Franz Strauss war nicht nur der leibliche Vater des weltberühmten Richard Strauss, er war auch sein ‚musikalischer‘ Vater. Er war auch der historische und geistige Urheber dessen, was wir in dem weltberühmten Komponisten Richard Strauss hören und erleben können.

Wir verdanken es Franz Strauss, dass Parkstein eine (wenn auch kleine) Rolle in der musikalischen Weltgeschichte spielt.